Der Mere-Exposure-Effekt
Mere-Exposure-Effekt - die Kurzform
Die ersten Male mit einem Rollstuhl oder einem anderen großen Hilfsmittel in der Öffentlichkeit können sich ungewohnt, anstrengend oder sogar beängstigend anfühlen. Viele Menschen erleben Unsicherheit, haben das Gefühl beobachtet zu werden oder fragen sich, ob das jemals „normal“ wird.
Genau hier setzt der Mere-Exposure-Effekt an. Dieser psychologische Effekt beschreibt, warum sich Neues für unser Gehirn zunächst fremd anfühlt – und warum sich dieses Gefühl durch Wiederholung verändert. Je öfter du eine Situation erlebst, desto vertrauter und entspannter wird sie.
Auf dieser Seite erfährst du leicht verständlich, warum diese Reaktionen ganz normal sind, was dabei in deinem Kopf passiert und warum es kein Zeichen von Schwäche ist, wenn sich der Anfang schwer anfühlt. Vor allem aber: warum es sich mit der Zeit wirklich gibt.
Mere-Exposure-Effekt - die ausführliche Beschreibung
Der Mere-Exposure-Effekt – warum sich das Rausgehen mit Rollstuhl mit der Zeit leichter anfühlt
Die ersten Male mit einem Rollstuhl oder einem anderen großen Hilfsmittel nach draußen zu gehen, können sich ganz schön überwältigend anfühlen. Vielleicht hast du das Gefühl, dass alle gucken. Vielleicht bist du unsicher, angespannt oder fragst dich ständig: „Wirke ich komisch?“
Wenn dir das bekannt vorkommt: Du bist damit absolut nicht allein – und es ist völlig normal.
Ein psychologisches Phänomen kann dir helfen, das besser zu verstehen. Es heißt Mere-Exposure-Effekt.
Was bedeutet Mere-Exposure-Effekt eigentlich?
Ganz einfach gesagt:
Je öfter wir etwas sehen, erleben oder tun, desto vertrauter fühlt es sich an
– und desto angenehmer wird es für uns.
Unser Gehirn liebt Bekanntes. Alles Neue wird erstmal als „ungewöhnlich“ oder sogar als potenziell stressig eingestuft. Mit jeder Wiederholung merkt dein Gehirn aber: Okay, das kenne ich. Das ist sicher. Das ist normal.
Und genau das passiert auch, wenn du mit einem Rollstuhl oder einem Hilfsmittel rausgehst.
Warum sich die ersten Male oft so schwer anfühlen
Am Anfang ist alles neu:
- das eigene Körpergefühl
- die Bewegung im öffentlichen Raum
- die Blicke anderer Menschen
- die eigene Rolle in der Öffentlichkeit
Dein Kopf ist wachsam, vielleicht sogar auf Alarm. Du nimmst jedes Geräusch, jeden Blick und jede kleine Reaktion wahr. Das kostet Energie und kann sich sehr anstrengend anfühlen.
Aber wichtig ist: Das liegt nicht daran, dass du „komisch“ bist oder etwas falsch machst.
Es liegt daran, dass dein Gehirn gerade etwas Neues verarbeitet.
Und jetzt die gute Nachricht
Mit jedem weiteren Mal passiert etwas Entscheidendes:
Du gewöhnst dich daran.
- Dein Körper findet seinen Rhythmus.
- Du denkst weniger darüber nach, was andere denken könnten.
- Dein Blick wird freier.
- Das Ganze fühlt sich irgendwann einfach… normal an.
Genau hier wirkt der Mere-Exposure-Effekt. Durch die Wiederholung verliert die Situation ihren Schrecken. Was sich anfangs riesig angefühlt hat, wird Schritt für Schritt kleiner.
Auch für andere wird es normaler
Nicht nur für dich – auch für dein Umfeld.
Menschen reagieren oft nur deshalb unsicher oder neugierig, weil sie etwas nicht gewohnt sind. Je öfter sie Menschen mit Hilfsmitteln sehen, desto selbstverständlicher wird es auch für sie.
Du musst niemanden „erziehen“ oder erklären. Allein deine Präsenz reicht schon aus.
Gib dir Zeit – du darfst langsam sein
Es ist völlig okay, wenn du:
- dich am Anfang unsicher fühlstgute und schlechte Tage hast
- lieber kurze Wege machst
- Pausen brauchst
Gewöhnung passiert nicht auf Knopfdruck, sondern Schritt für Schritt. Jeder Weg nach draußen zählt – egal wie kurz oder unspektakulär er dir vorkommt.
Fazit
Wenn sich das Rausgehen mit Rollstuhl oder Hilfsmittel am Anfang komisch, anstrengend oder emotional anfühlt, dann ist das kein Zeichen von Schwäche, sondern ein ganz normaler Prozess.
Der Mere-Exposure-Effekt zeigt: Mit der Zeit wird es leichter. Vertrauter. Ruhiger. Selbstverständlicher.
Du musst nicht perfekt sein.
Du musst nur du sein – und dir erlauben, anzukommen. 💙